Zentralehrung 2017

Am Sonntag, den 08.10.2017 fand um 11 Uhr die diesjährige "Zentralehrung" in der festlich geschmückten Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses statt. In diesem Jahr wurden 45 Erwachsene, 71 Jugendliche und 4 Chöre geehrt. Das musikalische Rahmenprogramm wurde von den Jubiläumschören Dortmunder Bachchor und dem Volkschor Dortmund gestaltet.

 

Fotos: © Franziska Rautenberg

Fotos und Informationen zu den Chören des Rahmenprogramms


Dortmunder Bachchor

125 Jahre

Dortmunder Bachchor an St. Reinoldi e.V.

 

Der Dortmunder Bachchor an St. Reinoldi zählt zu den führenden Kulturträgern der Stadt und Region Dortmund.

Der heutige Dortmunder Bachchor wird 1892 an St. Reinoldi gegründet. Er übernimmt zunächst liturgische Aufgaben im Rahmen der Gottesdienste. Die Chorleiter wechseln anfangs häufig. Carl Holtschneider leitet den Chor von 1909 – 1925. In dieser Phase wird die musikalische Aufführungspraxis in St. Reinoldi deutlich verbessert. Im Rahmen des Orgelneubaus wird die Orgelempore erweitert, sodass Chor und Orchester ausreichend Platz bei Konzerten finden. So können „Kirchenmusiken“ stattfinden, in denen der Reinoldi-Kirchenchor, Instrumental- und Vokalsolisten zusammenwirken. In den Jahren 1911 – 1914 wird regelmäßig am Karfreitag die Matthäuspassion von J.S.Bach aufgeführt.

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges wird grundsätzlich über die Gestaltung der Kirchenmusik an St. Reinoldi entschieden. Es wird beschlossen an St.Reinoldi eine erstklassige Stätte der Kirchenmusik zu schaffen, die kirchenmusikalische Akzente in Stadt und Region setzen soll. 1920 entsteht aus dem Reinoldi-Kirchenchor der Bachverein Dortmund e.V.

Gerard Bunk leitet von 1925 – 1958 den Bachverein. In dieser Zeit entwickelt sich die Chormusik an St. Reinoldi in der bis heute bestehenden Form: drei großen Oratorienkonzerten im Jahr, daneben Motettenkonzerten sowie regelmäßigem Gottesdienstsingen.

Während des dritten Reiches soll der Bachverein auf Anweisung der Reichsmusikkammer verpflichtet werden, den gemischten Chören Deutschlands beizutreten. Daraufhin wird eine Namensänderung beschlossen, weil die Zugehörigkeit zu St. Reinoldi aus dem bisherigen Namen nicht ersichtlich wird. Deshalb heißt der Chor ab 1938 Bachverein der Reinoldikirche e.V.

Ab 1945 muss der Chor für Aufführungen in auswärtige Kirchen ausweichen, weil alle evangelischen Kirchen in der Stadtmitte Dortmunds im Krieg zerstört wurden. Ab 1954 sind wieder erste Kirchenmusiken und die Proben in der teilrenovierten Reinoldikirche möglich. 1956 erfolgt die Wiedereinweihung der St. Reinoldikirche. Es steht keine Orgelempore mehr zur Verfügung und der Chor musste seine Aufführungspraxis ändern. Seitdem erfolgt die Konzertaufstellung auf und vor den Stufen zu Chorraum.

Von 1960 – 1980 leitet Eduard Büchsel den Chor. Unter seiner Leitung werden vermehrt große oratorische Werke einstudiert und das Mottetensingen tritt etwas in den Hintergrund. Außerdem erfolgen Rundfunk- und Fernsehaufnahmen und eine Schallplattenaufnahme der Matthäuspassion. Der Bachchor unternimmt seine ersten Chorreisen nach England und in die Niederlande. 1972 erfolgt eine weitere und letzte Namensänderung in Dortmunder Bachchor an St. Reinoldi e.V.

Gerolf Jacobi übernimmt die Chorleitung von 1980-2005. Die großen Oratorien von Mendelsohn werden einstudiert und die Aufführung zeitgenössischer Werke von Martin, Poulenc, Britten und Berstein sind seiner Initiative zu verdanken. Wegen der großen Nachfrage der Zuhörer nach wird unter seiner Ägide die zweite Aufführung des Weihnachtsoratoriums etabliert, diese Aufführungspraxis hat bis heute Bestand.

Die Leitung des Dortmunder Bachchores obliegt immer dem hauptamtlichen Kirchenmusiker an St. Reinoldi. Derzeit leitet Kantor Klaus Eldert Müller den Chor. Auch unter seiner Leitung bringt der Chor große Oratorien aus allen Epochen zur Aufführung. Gerard Bunks einziges Oratorium – für den Bachchor komponiert – wurde von Klaus Eldert Müller einstudiert erstmals in der Reinoldikirche aufgeführt – ein historisches Ereignis und ein umjubeltes Konzert.

Dank der Initiative von Klaus Eldert Müller ist inzwischen lebenslanges Singen im Bachchor möglich – von der Kinder- bis zur Seniorenkantorei.

Unter stabilen Rahmenbedingungen erweitert sich unter den verschiedenen Chorleitern das Repertoire der aufgeführten Werke stetig. Der Chor entwickelt sich fortlaufend zu einer lebendigen Gemeinschaft, die mit Begeisterung die musikalischen Herausforderungen aufgreift.

Der Chor, hat sich im kulturellen Leben Dortmunds fest etabliert. Die Konzerte des Chores (insbesondere die jährlichen Aufführungen des Bachschen Weihnachtsoratoriums) sind beliebte Fixpunkte im musikalischen Jahr der Dortmunder Bevölkerung.

 

Weitere Informationen: www.dortmunder-bachchor.de


Volkschor Dortmund

150 Jahre

Volkschor Dortmund e.V.

Seine Wurzeln hat der Volkschor Dortmund im Männerquartett, das im Herbst 1867 aus dem Arbeiterbildungsverein hervorgegangen war. Trotz politischer Gängelungen (Sozialistengesetze) war der Chor schnell Zentrum vielfältiger kultureller Aktivitäten. In die Zeit um den 1. Weltkrieg fiel die Fusion zum Allgemeinen Arbeitergesangverein. Am 29.11.1920 war es dann soweit: Drei Chöre schlossen sich zum Volkschor Dortmund 1867 zusammen.

Die Zwanziger Jahre waren die absolute Blütezeit des Volkschores, standen dem damaligen Dirigenten Fritz Kern doch 400 (!) Sängerinnen und Sänger zur Verfügung – eine für heutige Verhältnisse unglaubliche Zahl.

In der Zeit des Nationalsozialismus wurde der Volkschor zwar zwangsweise aufgelöst, man hielt aber zusammen und konnte die Probenarbeit im Herbst 1945 wiederaufnehmen.

Bereits vor dem 2. Weltkrieg wurden beachtliche künstlerische Erfolge gefeiert; große Werke wie Samson von Händel, Beethovens 9. Symphonie oder auch das Requiem von Verdi wurden gekonnt präsentiert.

Von 1965 bis 2005 sang der Volkschor Dortmund unter der künstlerischen Leitung von Horst Drewniak. Mit großem Geschick befähigte er die nun nicht mehr so zahlreichen Laien-Sängerinnen und Sänger dazu, auch schwierige Werke aus der klassischen und weltlichen Chorliteratur beindruckend zu präsentieren, z.B. Die Schöpfung von Haydn oder Das Requiem von Mozart. Besonders gerne erinnern sich manche „alte“ Chormitglieder an Konzerte mit einer Mischung aus beliebten Chören aus Oper und Operette. Eine Selbstverständlichkeit waren die Auftritte auf der 1.Mai-Veranstaltung des DGB und bei der Mahnfeier in der Bittermark: Jedes Jahr an Karfreitag wird dort der Opfer der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft gedacht.

Zu Beginn des neuen Jahrtausends hatte der Chor mit schwindenden Mitgliederzahlen zu kämpfen, altersbedingte Austritte konnten nicht mit Neuzugängen ausgeglichen werden.

Seit Sommer 2006 singt der Volkschor unter der musikalischen Leitung von Winfried Meyer. Er konnte und kann seitdem mit interessanten Chorprojekten, einem weit gefächerten Spektrum an Chorliteratur und seinem Einfühlungsvermögen, die Grenzen der fröhlichen Sängerinnen und Sänger zwar aus- aber nicht zu überreizen, den Chor animieren und begeistern. Das Programm ist bunt:

In den Jahren 2007 bis 2009 präsentierte der Chor unter dem Motto Wein, Weill, Wasser einen Querschnitt durch die Chorliteratur, ein Jubiläumskonzert mit Werken von Brahms, Grieg u.a. im Opernhaus, ein Brahms/Schumann-Konzert in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses und schließlich Missa Gaia von Paul Winter im Rahmen des Klangvokal-Festivals in der Petri-Kirche.

Im Jahr 2009 begann der Volkschor die Projektreihe dortmund vokal: Zu verschiedenen Themen wählen Chorleiter, Sänger und Sängerinnen aus den unterschiedlichsten Musik-Genres Liedgut aus und kombinieren es mit passenden literarischen Texten zu einer Revue.

Seit 2011 präsentiert sich der Volkschor Dortmund außerdem regelmäßig beim Dortmunder Musikfestival Klangvokal, war beim Day of Song dabei und animierte auch gerne gemeinsam mit anderen Chören Besucher des Weihnachtsmarktes zum „Weihnachtslieder-Mitsingen“.

 

Weitere Informationen: www.volkschor-dortmund.de